Karte zu Verfahren der Unternehmensbewertung: Ertragswert, Discounted Cashflow, Praktikerregeln
Bild: Nachfolgelektüre

Bewertungsvorbereitung

Teil von Unternehmensbewertung erstellen: Ertragswert, Umsatzverfahren und Marktvergleich

Welche Verfahren der Unternehmensbewertung gibt es?

Ertragswertverfahren, Discounted Cashflow, Umsatzverfahren und Praktikerregeln im Vergleich: Anwendungsfälle, Grenzen und eine Schrittfolge für die Bewertung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Ertragswertverfahren rechnet mit dem künftigen Gewinn des Betriebs.
  • Der Discounted Cashflow rechnet mit allen Geldströmen und braucht viel Planung.
  • Umsatzverfahren und Praktikerregeln liefern schnell eine erste Zahl.
  • Kein Verfahren allein ist richtig. Rechnen Sie immer zwei oder drei Wege.
  • Zahlen aus dem Jahresabschluss sind die Grundlage.

Ertragswertverfahren: Der Gewinn zählt

Ein Betrieb ist so viel wert wie der Gewinn, den er künftig bringt. Das ist der Grundgedanke. Die Zahlen kommen aus dem Jahresabschluss. Die Regeln dazu stehen im Handelsgesetzbuch. Nachschlagen können Sie die Vorschriften zum Jahresabschluss im Handelsgesetzbuch.

Ertragswert: Beispielrechnung

  • 50.000 €Gewinn des Betriebs
  • 40.000 €Unternehmerlohn
  • 10.000 €Gewinn für den Betrieb

Sie schauen auf die Gewinne der letzten drei bis fünf Jahre. Dann ziehen Sie einen Unternehmerlohn ab. Denn die neue Chefin will ebenfalls Geld verdienen.

Der Rest ist der Gewinn, den der Betrieb selbst erwirtschaftet. Diesen Gewinn rechnen Sie in die Zukunft. Danach rechnen Sie ihn auf den heutigen Tag zurück. Das nennt man abzinsen. Der Zinssatz bildet das Risiko ab. Ein unsicherer Betrieb bekommt einen höheren Zinssatz.

Das Verfahren passt gut für Handwerksbetriebe, Läden, Praxen und kleine Fabriken. Es passt, wenn der Gewinn über Jahre stabil war. Grenzen: Viele kleine Betriebe hängen am Inhaber. Ohne ihn sinkt der Gewinn. Dann ist die Rechnung unsicher. Auch der Zinssatz ist Verhandlungssache. Käufer und Verkäufer streiten oft darüber.

Ein Beispiel: Der Betrieb macht 50.000 Euro Gewinn. Der Unternehmerlohn liegt bei 40.000 Euro. Dann bleiben nur 10.000 Euro für den Betrieb. Der Wert ist dann klein.

Wer den Wert prüfen will, fragt eine Kammer. Die Handwerkskammer und die Industrie- und Handelskammer helfen mit Adressen. Auch Steuerberater rechnen Bewertungen.

Discounted Cashflow: Alle Geldströme im Blick

Der Discounted Cashflow heißt auf Deutsch abgezinste Zahlungsströme. Kurz sagt man DCF. Dieses Verfahren schaut nicht nur auf den Gewinn. Es schaut auf alle Einzahlungen und Auszahlungen. Dazu gehören Investitionen, Steuern und Kredite.

Ablauf des Discounted Cashflow

  1. Freie Geldströme für mehrere Jahre planen
  2. Restwert für die Zeit danach schätzen
  3. Alles auf den heutigen Tag abzinsen
  4. Zinssatz aus Eigen- und Fremdkapital

Sie planen die freien Geldströme für mehrere Jahre. Danach schätzen Sie einen Restwert. Der Restwert gilt für die Zeit nach dem Planungszeitraum. Dann zinsen Sie alles auf den heutigen Tag ab. Der Zinssatz kommt aus den Kosten für Eigenkapital und Fremdkapital.

Das Verfahren passt für größere Betriebe, für Kapitalgesellschaften und für Investoren. Für einen kleinen Betrieb mit drei Angestellten ist es meist zu aufwendig. Grenzen: Sie brauchen viele Annahmen. Kleine Fehler in der Planung verändern das Ergebnis stark.

Ein Beispiel: Ein Betrieb plant die Geldströme für fünf Jahre. Kleine Änderungen am Zinssatz verschieben das Ergebnis stark.

Umsatzverfahren: Schnelle Zahl über den Umsatz

Beim Umsatzverfahren nehmen Sie den Jahresumsatz. Diesen Wert malnehmen Sie mit einem Faktor aus der Branche. Der Faktor unterscheidet sich stark. Eine Bäckerei, eine Gaststätte und ein Softwarehaus haben andere Faktoren. Die Faktoren stammen aus Branchenberichten und aus Verkäufen ähnlicher Betriebe.

Das Verfahren ist schnell. Es hilft als erste Orientierung. Es hilft auch, wenn der Gewinn unklar ist. Grenzen: Der Umsatz sagt nichts über die Kosten. Ein hoher Umsatz mit kleiner Marge bringt wenig Wert. Prüfen Sie deshalb immer den Gewinn dazu.

Ein Beispiel: Ein Laden macht 500.000 Euro Umsatz. Der Faktor liegt bei 0,5. Dann ergibt das 250.000 Euro. Das ist nur ein Rechenbeispiel.

Für den Kauf einer Nachfolge gibt es Kredite. Die KfW, die Kreditanstalt für Wiederaufbau, begleitet Gründungen und Nachfolgen mit Krediten und Beratung.

Praktikerregeln: Faustformeln aus der Branche

Praktikerregeln heißen auch Multiplikatoren. Sie nehmen eine Kennzahl und malnehmen sie mit einem Faktor. Oft ist das der Gewinn vor Zinsen und Steuern. Manchmal ist es der Umsatz. Der Faktor kommt aus vergleichbaren Verkäufen.

Beispielrechnung: Der Betrieb macht 120.000 Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern. Der Faktor liegt bei 4. Dann ergibt die Rechnung 480.000 Euro. Das ist nur ein Rechenbeispiel und keine feste Zahl. Der echte Preis entsteht im Gespräch.

Praktikerregeln sind einfach und schnell. Sie passen für den ersten Preisrahmen. Grenzen: Die Faktoren veralten. Sie sind grob. Sie ersetzen keine genaue Prüfung.

Vergleich: Welches Verfahren, welcher Fall?

Wann es passt

Ertragswertverfahren
Stabile Gewinne über Jahre
Discounted Cashflow
Größere Betriebe, Investoren
Umsatzverfahren
Erste schnelle Schätzung
Praktikerregeln
Erster Preisrahmen

Wo es hakt

Ertragswertverfahren
Zinssatz und Inhaberrisiko
Discounted Cashflow
Viele Annahmen, viel Arbeit
Umsatzverfahren
Umsatz sagt nichts über Kosten
Praktikerregeln
Faktoren sind grob und veralten

So gehen Sie in fünf Schritten vor

  1. Sammeln Sie die Jahresabschlüsse der letzten fünf Jahre.
  2. Rechnen Sie den Unternehmerlohn heraus.
  3. Rechnen Sie zwei Verfahren, zum Beispiel Ertragswert und Praktikerregel.
  4. Vergleichen Sie die Ergebnisse und suchen Sie die Unterschiede.
  5. Holen Sie eine zweite Meinung ein, etwa von der Handwerkskammer oder einem Steuerberater.

Der Bund bündelt Förderprogramme und Beratungsangebote zur Unternehmensnachfolge&ssu=&ssv=&ssw=&ssx=eyJfX3V6bWYiOiI3ZjkwMDAwMzBhMWU2Mi0wYjgwLTRjYTMtODZhYi0zMTFkM2IyNTA0MjgxLTE3ODk4MzEyMTYzNDgwLTAwMWE3MjczNmE1MjcyZTU5N2MxMCIsInV6bXgiOiI3ZmMwMDAyYzNhYWMyZC03N2Q5LTQxOWEtYjZlYi03YmI2YmZlM2VkZWIxLTE3ODk4MzEyMTYzNDgwLTAwNTQ2NjQyZDY3YTZmYTg0N2ExMCIsInJkIjoiZXZhbHVhdGlvbmVuLWJtd2suZGUifQ==)&ssu=&ssv=&ssw=&ssx=eyJfX3V6bWYiOiI3ZjkwMDAwMzBhMWU2Mi0wYjgwLTRjYTMtODZhYi0zMTFkM2IyNTA0MjgxLTE3ODk4MzEyMTYzNDgwLTAwMWE3MjczNmE1MjcyZTU5N2MxMCIsInV6bXgiOiI3ZmMwMDAyYzNhYWMyZC03N2Q5LTQxOWEtYjZlYi03YmI2YmZlM2VkZWIxLTE3ODk4MzEyMTYzNDgwLTAwNTQ2NjQyZDY3YTZmYTg0N2ExMCIsInJkIjoiZXZhbHVhdGlvbmVuLWJtd2suZGUifQ==). Solche Angebote helfen beim Einstieg. Prüfen Sie die Bedingungen vor der Bewertung.

Häufige Fragen

Welches Verfahren eignet sich für kleine Betriebe?

Meist das Ertragswertverfahren zusammen mit einer Praktikerregel. Der Discounted Cashflow ist für kleine Betriebe oft zu aufwendig.

Was ist der Unterschied zwischen Ertragswert und Discounted Cashflow?

Der Ertragswert nutzt den Gewinn. Der Discounted Cashflow nutzt alle Geldströme. Damit ist der Discounted Cashflow genauer, aber auch viel komplizierter.

Welche Unterlagen brauche ich?

Sie brauchen die Jahresabschlüsse der letzten Jahre, die Aufstellungen zu Gewinn und Verlust, eine Umsatzliste und eine Liste aller Kredite. Auch Verträge mit Kunden und Lieferanten helfen.

Wie viele Verfahren sollte ich rechnen lassen?

Zwei oder drei. So sehen Sie, ob die Zahl stabil ist. Ein einzelnes Ergebnis führt leicht zu Streit.

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